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Warum stirbt Darfur weiterhin? [13.10.2008]

Kofi Annan, 17. September 2006: "Vor[…] Jahren versagten die UN und die Welt in einer Zeit höchster Not des ruandischen Volkes. Können wir es uns heute mit ruhigem Gewissen erlauben, einfach zuzusehen, wie sich die Tragödie in Darfur verschlimmert ?"

Münster, den 11. Oktober 2008

Dieser Satz Kofi Annans, des Generalsekretärs der Vereinten Nationen 1997 – 2006 und Friedens-Nobelpreisträger 2001, hat auch heute nicht von seiner Aktualität eingebüßt.

Kofi Annan wird heute in Münster mit dem Westfälischen Friedenspreis geehrt, ein weiterer Grund, an den Völkermord in Darfur und aktuelle "Verbrechen gegen die Menschheit" (humanity) zu erinnern.

Die internationale Gemeinschaft hatte nach Kofi Annans eigenen Worten die Fähigkeit und Möglichkeit, den Völkermord in Srebrenica (Bosnien) 1995 und in Ruanda 1994 zu verhindern. "Es fehlte ihr der Wille." Vor dem Stockholm International Forum "Preventing Genocide" (Jan. 2004) gestand er: "Wir haben die schlimmsten Fehler gemacht, auch im Sicherheitsrat. Wir haben alle versagt."Kofi Annan selbst war seit März 1993 UN-Untergeneralsekretär und auch zuständig für Friedenssicherungseinsätze der Vereinten Nationen.

Kofi Annan ist heuteeiner der wichtigsten Mahner für Frieden und Menschenrechte.

Nach Ende seiner Amtszeit als UN-Generalsekretär übernahm er neben vielen anderen Aufgaben auch im März 2007 die Schirmherrschaft über die Aktionswoche zu Darfur.

In seinem Grußwort hieß es: "Wie kann eine internationale Gemeinschaft, die für sich in Anspruch nimmt, die Menschenrechte zu schützen, diese Gräuel zulassen? Die Schuld ist groß, und wir können sie nicht von uns weisen. Sie trifft jene, die das abstrakte Konzept der staatlichen Souveränität höher bewerten als das Leben von Menschen, von Familien; jene, die befürchten, ein Einschreiten gegen die Massaker könnte ihre Wirtschaftsinteressen gefährden."

Dem können wir nur voll zustimmen.

Auf einem Weltgipfel mit 191 Mitgliedsstaaten der UNO wurde im September 2005 in New York eine Erklärung verabschiedet, nach der sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, bei Vertreibungen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschheit einzuschreiten und die Bevölkerung zu schützen (responsibiliy to protect), wenn nationale Regierungen dabei versagen. Der Weltsicherheitsrat hat die Erklärung am 28. April 2006 mit der Resolution 1674 bekräftigt.

Die internationale Staatengemeinschaft ist ihrer selbst auferlegten Verantwortung für den Schutz der Zivilbevölkerung jedoch erneut nicht gerechtgeworden. Die Erklärung blieb bislang eine leere Floskel.

In Darfur sind seit Beginn von Krieg, Vertreibung und Völkermord 2003 rund 2,7 Millionen Menschen aus ihren Dörfern vertrieben worden. Die Gesamtzahl der Todesopfer wird auf 400.000 geschätzt.

Vor 14 Monaten beschloss der Weltsicherheitsrat eine Friedenstruppe. Im Westen des Sudan wollten die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union gemeinsam eine 26.000 Mann starke Friedenstruppe (UNAMID) stationieren. Heute ist noch nicht einmal die Hälfte der Truppe eingetroffen. Noch immer gibt es neue Militäroffensiven durch die sudanesische Armee und Milizen, neue Vertreibungen, neues Morden.

Wir in Münster sind über die Menschenrechtsarbeit der Gesellschaft für bedrohte Völker und das humanitäre Wirken der Darfur-Hilfe e.V. eng mit Menschen in den sudanesischen Flüchtlingslagern im Osttschad verbunden. In den Lagern und in Darfur macht sich zunehmend Hoffnungslosigkeit breit. Das darf so nicht bleiben !

Wir begrüßen die diesjährige Entscheidung zum Preis desWestfälischen Friedens.

Wenn sich Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe und Stadt Münster jedoch nicht nur im Lichtkegel eines berühmten Mannes selbst feiern wollen, sondern dessen Anliegen auch unterstützen wollen, muss die Aufmerksamkeit auch auf die furchtbarsten Menschenrechtsverletzungen und den Unfrieden des Jetzt gerichtet sein.

Mit dem Jugendpreis und dem vorgestellten Libanon-Projekt der wunderbaren Jungen Malteser wurde immerhin ein Zeichen gesetzt, wie ein Einsatz für junge Menschen konkret aussehen kann.

Nicht jeder kann solches leisten, doch jeder kann sich politisch und humanitär für Menschen in Not einsetzen. Besonders dringend brauchen die Menschen im Westsudan und in den osttschadischen Flüchtlingslagern unsere Hilfe. Darfur darf nicht vergessen werden !

Kajo Schukalla, Gesellschaft für bedrohte Völker- Münster

13.10.2008 von AH

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